„Zum Sterben zu schön - Hedda Gabler” / Foto: Simon Heydorn

VISION

 

Wir bauen ein Theater.

Zuerst im Geist und dann konkret.

 

Im Garten wuchern Brombeeren und wilder Mohn, die Sonne scheint auf ein Haus mit hundert Zimmern und hinter den Gardinen werden Pläne geschmiedet für kommende Revolutionen.

 

In seinem Aufsatz “Über das Marionettentheater” hat Kleist das Dilemma der Menschheit auf den Punkt gebracht: Die Eitelkeit entspringt der Gottlosigkeit. Eine Kunst - so könnte man daraus schließen - die meint, klug zu sein, ist ebenso falsch wie die, die meint, sich in Schönheit versuchen zu können. Denn es gibt (jetzt wieder Kleist) nach dem folgenreichen Biss in den Apfel vom Baum der Erkenntnis nur zwei Wege, ins Paradies zurück zu kehren. Man braucht ein unendliches Bewusstsein, so wie Gott. Oder gar keins, wie eine Holzpuppe. Auf beiden Wegen steht der Mensch sich selbst im Weg. Das Ergebnis sehen wir täglich. Unser Dasein ist unperfekt, gezeichnet von Dummheit und Größenwahn und von Versuchen, die Erhabenheit der Schöpfung zu kopieren oder zu verbessern. Ein guter Grund, sich zu erschießen. Stattdessen versucht der Mensch sich meist im Häuslebau, so denn auch wir. Und besser noch. Wir bauen eine Kirche. Und auch wenn die Kirche im 21. Jahrhundert das Logo der Golden Arches oder das Emblem von Goldman Sachs zu tragen pflegt, bleibt immer wieder zu betonen: "Es irrt der Mensch, solang er strebt.” Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine Kirche macht noch keinen Gott. Trotzdem wollen wir uns an Kleist halten und den Rückweg ins Paradies erkunden. Bis dahin wird geträumt:

 

In unserem Theaterstaat, dem Garten mit dem wilden Mohn, soll es  einmal zwei Bühnen geben. Eine große, wo die Schwerkraft uns nach unten zieht und die würdigen Altvorderen uns die Texte flüstern. Und eine zweite, die das  faustsche Forschungslabor ist, genußfixiert und totalitär. Hier wird modernes Theater gemacht (womit wir vorläufig schon einmal angefangen haben, mehr dazu hier). Bis es so weit ist (das Paradies, der Kleist, unser Garten und die Bühnen), machen wir es wie immer im Theater: Wir proben.