VISION

 

 

Wir bauen ein Theater. Zuerst im Geist und dann konkret.

 

Im Garten wuchern Brombeeren und wilder Mohn, die Sonne scheint auf ein Haus mit hundert Zimmern und hinter den Gardinen werden Pläne geschmiedet für ein großes, schönes Besserland.

 

In seinem Aufsatz “Über das Marionettentheater” hat Kleist das Dilemma der Menschheit auf den Punkt gebracht: Die Eitelkeit entspringt der Gottlosigkeit. Eine Kunst - so könnte man daraus schließen - die meint, klug zu sein, ist ebenso falsch wie die, die meint, sich in Schönheit versuchen zu können. Denn es gibt (jetzt wieder Kleist) nach dem folgenreichen Biss in den Apfel vom Baum der Erkenntnis nur zwei Wege, ins Paradies zurück zu kehren. Man braucht ein unendliches Bewusstsein, so wie Gott. Oder gar keins, wie eine Holzpuppe. Auf beiden Wegen steht der Mensch sich selbst im Weg. Das Ergebnis sehen wir täglich. Unser Dasein ist unperfekt, gezeichnet von Dummheit und Größenwahn und von Versuchen, die Erhabenheit der Schöpfung zu kopieren oder zu verbessern. Ein guter Grund, sich zu erschießen. Stattdessen versucht der Mensch sich meist im Häuslebau, so denn auch wir. Und besser noch. Wir bauen eine Kirche. Und auch wenn die Kirche im 21. Jahrhundert das Logo der Golden Arches oder das Emblem von Goldman Sachs zu tragen pflegt, bleibt immer wieder zu betonen: "Es irrt der Mensch, solang er strebt.” Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und eine Kirche macht noch keinen Gott. Trotzdem wollen wir uns an Kleist halten und den Rückweg ins Paradies erkunden. Bis dahin wird geträumt:

 

In unserem Theaterstaat, dem Garten mit dem wilden Mohn, soll es  einmal zwei Bühnen geben. Eine große, wo die Schwerkraft uns nach unten zieht und die würdigen Altvorderen uns die Texte flüstern. Und eine zweite, die das  faustsche Forschungslabor ist, genußfixiert und totalitär. Hier wird modernes Theater gemacht (womit wir vorläufig schon einmal angefangen haben, mehr dazu hier). Bis es so weit ist (das Paradies, der Kleist, unser Garten und die Bühnen), machen wir es wie immer im Theater: Wir proben.

 

 

 

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(Der gestirnte Himmel über uns und unter uns das Fundament. Lalala.)

 

 

 

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THEATER.MACHT.STAAT

 

Das Manifest unserer Jugendjahre (2010 bis 2013):

 

Wer in der U-Bahn ein bettelndes Kind sieht, kann vorbei schauen, sobald er das Theater betritt, gehen wir davon aus, dass er hinschauen will. Wir haben Sehnsucht nach Leben, aber fast alles ist Kalkül, weil die Reizquellen nicht mehr sinnlich erfahrbar sind und Informationen überwiegend aus zweiter oder dritter Hand stammen. Manipulationsmechanismen werden sogar öffentlich dargestellt, sei es Korruption von Politikern oder Hilfsorganisationen, wirtschaftliche Ausbeutung großer Gesellschaftsgruppen, oder offizielle Einflussnahme großer Lobbyisten aufs Finanz- und Rechtssystem. Tabuisierung, Kleingeistigkeit und Unterdrückung finden heute viel subtiler statt, sei es durch gelogene Bildung, gelogene Demokratie oder gelogene Toleranz. Unser Anliegen ist es deswegen, die Fortschrittsblocker in unserer Gesellschaft ausfindig zu machen und kritisch und satirisch zu bearbeiten.

 

Die Welt ist ein Zirkuszelt geworden.

 

Wir wollen auch Zirkus machen.

 

Aber so, dass der Schwindel echt ist.

KUNST UND GESELLSCHAFT – EINE SOMMERLIEBE ?

§1

 

§2

 

 

§3

 

§4

 

 

 

 

§5

 

 

 

 

 

 

§6

 

 

 

 

§7

 

 

 

 

 

 

Zusatz:

Die Kunst dient immer der Wahrheitsfindung.

 

Sie darf niemals zur Verbrämung oder Vertuschung von Realitätzweckentfremdet werden.

 

Die Kunst ist niemals Selbstzweck.

 

Der Künstler versteht sich als Wahrheitsmittler. Er verpflichtet sich, seinen Geist von Unsinn frei zu halten, hält sich von Spiegeln fern, wo er nur kann und übt sich in Weisheit und komplexem Denken.

 

Der Künstler und sein Lebenswerk befinden sich in einem lebendigen Verhältnis, einer Liebesbeziehung gleichend. Beide verpflichten sich, diese Liebe zu erhalten und zu pflegen, Freiräume zu gewähren, Krisen gemeinsam zu bewältigen und sich gegenseitig zu inspirieren und zu fordern, wo sie nur können.

 

Gemeinsames Ziel der Liebenden muss es sein, in jeder Lebenssituation das Existenzielle zu berühren. Das Feuer muss brennen. Das Privileg des bequemen Mittelmaßes ist der Zivilbevölkerung vorbehalten.

 

Die Kunst ist gesetzlos, sie dient einem höheren Herrn. Der Künstler ist zu folgen verpflichtet. Eventuelle Konflikte mit der diesseitigen Juristerei müssen in einer so gearteten Verbindung als stetes Risiko in Kauf genommen werden. Bei Schummelei oder Faulheit droht die sofortige Auflösung der Verbindung.

 

in vino veritas.

„Zum Sterben zu schön - Hedda Gabler” / Foto: Simon Heydorn >> mehr Bilder